
Ich hatte vor kurzem die Gelegenheit mir von einem Freund eine Nikon D70s für ein Wochenende auszuborgen. Da ich gerade vor der Entscheidung zwischen einer D70s und einer D200 stehe habe ich die Kamera ausführlich getestet und übers Wochenende ca. 1000 Bilder gemacht.
Warum gerade eine Nikon und nicht die Canon oder eine andere Marke ?
Diese Frage ist einfach beantwortet.
Nikon hat für mich die beste Firmenpolitik und baut seit vielen Jahren ausgezeichnete Kameras und Objektive. Ich bin vor ca. 15 Jahren von Canon zu Nikon gewechselt da bei der Neueinführung der Autofokuskameras die alten Nicht-Autofokus Objektive nicht mehr verwendbar waren. Bei Nikon war das Bajonett so ausgelegt, dass auch die alten Objektive mit manuellen Fokus auf den neuen Autofokuskameras verwendbar waren. Somit habe ich jetzt einige Nikon Objektive. Und die passen bei Nikon auch auf die modernen digitalen Spiegelreflexkameras. Somit ist die Marke für mich klar, auch wenn die Canon Kameras in den technischen Details vielleicht eine Spur voranliegen.

Funktionen der Nikon D70s
Die D70s verfügt über so ziemlich alle Funktionen die eine hochwertige digitale Spiegelreflexkamera überhaupt nur haben kann. Die Standard Zeit-, Blenden-, Programmautomatik, sowie die Motivprogramme für Auto, Portrait, Landschaft, Macro, Sport, Nacht und Nachtportrait bieten ausreichend Belichtungsmöglichkeiten. Weiters steht noch eine manuelle Belichtungseinstellung zur Verfügung. Zeit und Blende können einfach und intuitiv an den beiden Einstellrädern eingegeben werden.
Ich habe mit verschiedenen Programmen wie Zeitautomatik, Sport und Portrait fotografiert und immer sehr gute Resultate erzielt.
Blitz
Verwirrend war anfangs die Blitzfunktionalität. Laut der Beschreibung kann man den Blitz nur in Portrait und Nachtportrait Automatikmodus ausschalten. Sonst schaltet er sich immer bei Bedarf automatisch hinzu. Das ist bei Veranstaltungen, Konzerten usw. natürlich nicht brauchbar.
In einem Artikel eines Profifotografen, der die D70 sehr lobt habe ich eine sehr extreme Lösung dazu gelesen. Er meinte man soll den Blitz, der immer automatisch hochklappt, einfach mit Superkleber ankleben. Nach genaueren Tests habe ich herausgefunden, dass der Blitz in der Zeit-, Blenden- und Programmautomatik, sowie im manuellen Betrieb nicht automatisch hochklappt. Jedoch schaltet er sich automatisch zu wenn er hochgeklappt ist. Also das bedeutet, dass man den Blitz, falls er ausgefahren ist nur einklappen muss und dann fotografiert man in diesen Modis immer ohne Blitz wenn man will. Damit kann ich leben.
Das Handbuch ist mitunter etwas unübersichtlich und recht klein gedruckt. Viel Information ist komprimiert auf kleines Format und dünnes Papier.
Die Kamera liegt sehr gut in der Hand. Sie wirkt zwar nicht ultra robust, sondern wie solides Plastik und ist wahrscheinlich für normale Ansprüche von gehobenen Amateuren die gut mit Ihren Geräten umgehen recht gut geeignet.
Die Bedienelemente sind sehr gut angeordnet und intuitiv bedienbar. Aufgrund der vielen Funktionen der Kamera sind eben viel Bedienelemente notwendig, was die Kamera auf den ersten Blick natürlich etwas kompliziert macht. Man benötigt sicher etwas Zeit und Übung um mit der Funktionsvielfalt umgehen zu können.
Der CF Slot ist sehr gut zugänglich und die Karte lässt sich schnell entnehmen und wieder einsetzen. Auch das Batteriefach ist schnell zu öffnen und ein Akkuwechsel ist rasch erledigt.
Die Batterielebensdauer ist erstaunlich hoch. Ich habe nach ca. 400 Fotos laut Anzeige noch immer eine volle Batterie gehabt. Wahrscheinlich liegt die durchschnittliche Kapazität für eine Akkuladung bei ca. 600-1000 Bilder. Das ist ein großartiger Wert !
Das obere Display an der Kamera zeigt immer, auch im ausgeschaltenen Zustand die Kapazität der noch machbaren Bilder an. Anscheinend ist der Stromverbrauch der Anzeige so gering, dass es gegenüber der Selbstentladung des Akkus vernachlässigbar ist.

Die Lupe am Display bietet nur eine einstufige Zoomfunktion. Man kann den Vergrößerungsfaktor zwar im Menü voreinstellen, doch eine mehrstufige Zoomfunktion wäre hier sicher besser gewesen. Oft ist es notwendig ein Bild auf Schärfe zu kontrollieren und da ist ein höherer Zoomfaktor notwendig.
*** Nachtrag:
Nach genauerem Studium des Handbuches habe ich herausgefunden dass es eine sehr gute stufenlose Zoomfunktion gibt, die am ersten Blick allerdings etwas schwer zu finden ist.
***
Dabei sei angemerkt, dass man das Display auf der Rückseite nur zum Betrachten von bereits geschossenen Fotos verwenden kann und nicht als Echtzeitdisplay einsetzen kann. Der Spiegel der Kamer ist nämlich im Normalbetrieb heruntergeklappt und der Bildsensor liegt nicht frei. Die Belichtung wird über einen zusätzlichen Sensor gemessen.
Eine Funktion, die vielleicht viele Personen nie verwenden ist die Abblendtaste. Ich habe mich gefreut, dass auf der D70s die Taste vorhanden ist und habe sie auch eingesetzt.
Durch die langfristige Systempolitik ist es bei Nikon möglich auch ältere Objektive einzusetzen.
Durch die geringere Sensorgröße gegenüber dem Kleinbildformat ändert sich auch die Brennweite des Objektivs auf der Digitalkamera. Der Verlängerungsfaktor beim Nikon DX System ist 1:1,5. Das bedeutet also, dass mein 1:1,8 85 mm Objektiv zu einem 1:1,8 127,5 mm Objektiv wird usw. Mit diesem Objektiv habe ich übrigens bei einem Konzert in der Lugner City fotografiert und sehr gute Ergebnisse erzielt.
Der Sucher ist sehr hell und groß. Eine Gummi Augenmuschel dichtet auch sehr gut das Fremdlicht von hinten ab.
Bei so viel Elektronik und Funktionalität hätte die Kamera auch eine automatische Sommerzeit Umstellung bewältigen können. Daran hat man bei Nikon aber nicht gedacht.
Die ISO Einstellung ist zwischen 200 und 1600 möglich. Für mich ist verwunderlich dass keine Werte von 100 oder 50 ASA einstellbar sind. Bei hellem Tageslicht wäre das durchaus sinnvoll. Der Hinweis im Handbuch, dass man ein neutrales Graufilter verwenden soll wenn es zu hell ist, mutet etwas merkwürdig an.
Die Auflösung von 6 Megapixel ist für die meisten Hobbyfotografen mehr als ausreichend, für Fototapeten reicht es natürlich nicht. Ein sehr guter Kleinbild Farbnegativfilm mit 50 ASA hat etwa eine vergleichbare Auflösung von 10 Megapixel. Mit 6 Megapixel liegt man am unteren Ende der digitalen Spiegelreflexkameras, jedoch reichts sicher für 30x40 cm Bilder oder mehr.
Große Auschschnittvergrösserungen sind aber nicht möglich.
Bei Sportaufnahmen sind die 3 Bilder pro Sekunde in manchen Fällen ausreichend, jedoch wäre eine schnellere Bildfolge wünschenswert. Ich habe in der Halle beim Fussball und im Freien beim American Football fotografiert. Ich habe mich lange gewundert ob die Bildfolge wirklich 3 Bildern pro Sekunde entspricht. Die Messung hat ergeben, dass ich trotz manuellen Fokus und manueller Belichtung nur auf 1,6 Bilder pro Sekunde gekommen bin. Nach intensivem Studium des Handbuches fand ich heraus, dass die eingeschaltete Rauschunterdrückung dafür verantwortlich war. Nach dem Ausschalten der Rauschunterdrückung arbeitete die Kamera dann sogar mit über 3 Bildern pro Sekunde.
Insgesamt kann man sagen, dass die Nikon D70s eine ausgezeichnete Kamera für gehobene Amateure ist. Viele Profis verwenden sie auch als Zweitkamera.
Für einen Kaufpreis von ca. 800,- inkl. 1GB CF Karte ist sie sogar sehr empfehlenswert.
Links zu Fotos die ich mit der D70s gemacht habe:
Hallenfussball
PSA - tele.ring 5:6
Oldies - LG Business Solutions 12:1
Webster - UPC 13:4
ARZ - AMA 7:2
PSA - LG Business Solutions 10:6
Oldies - tele.ring 13:5
AMA - UPC 5:6
Webster - ARZ 8:7
American Football
Vikings - Berlin Rebels
Konzert
MekMC + Johnny P.
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